Der Touristikzug, gescheitert schon an der Idee?

Ideen gibt es viele, Visionen noch mehr. Aber wie sagte schon ein Bundeskanzler so schön:

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.

Nun ist nicht jede Idee von Anfang schlecht. Aber die Person, die diese Idee hat sollte vorher einen Realitätscheck machen, bevor man an die Öffentlichkeit geht. Dann erspart man sich viel Frust. Sehr viel Frust.

Im Inntramforum ist die Idee eines Touristikzuges vorgestellt worden.
Im Prinzip soll eine Art Österreichischer Glacier Express von Wien über Eisenstadt, Semmering, Mürzzuschlag, Leoben, Erzberg, Selzthal, Salzkammergut nach Salzburg verkehren. Fahrzeit rund 10 Stunden, Wagenmaterial sind modernisierte 4010.

So jeder darf jetzt aufgrund dieser Zusammenfassung raten, warum ich das ganze von der Idee her für gescheitert erkläre. Nach dem Klick gehts weiter


Gut, ein paar Punkte zeigen klar auf, das die Sache so nicht hinhauen wird:
1.)
Die Erzbergbahn ist seit 1988 eingestellt und wurde seitdem nur von den leichten Schienenbussen des örtlichen Vereins befahren. Der Streckenzustand erlaubt nach dem was ich gehört habe gar nicht mehr ein befahren mit „schweren“ Fahrzeugen.
Die bahn wurde vor 2 Jahren von einer Mure tlw. verschüttet und bis heute nicht in Stand gesetzt.
Die Erzbergbahn war nie elektrifiziert, was aber bedingung für den angedachten Betrieb ist.
Das zeigt schon einmal auf, das nur für diesen Zug Millionen Euro in eine tote Strecke gesteckt werden müssten. Denn einen Personenverkehr oder gar Güterverkehr kann und wird man über diesen Berg nicht zum laufen bringen.

2.)
Die Erzbergbahn war früher eine Zahnradbahn mit entsprechender Trassierung. Als man die Zahnstange entfernt und im Adhäsionsbetrieb fuhr, musste man die Schienenbusse und Loks entsprechen ausrüsten damit sie die Bremsleistungen erbrachten. Die angedachten Fahrzeuge des Touristikzuges müssten also auch hier aufwendig umgebaut werden.
Fraglich ist auch ob die alten 4010er überhaupt die notwendige Kraft aufbringen können um einen Zug mit 280 Tonnen auf den Rampen zu bewegen. Weil früher wurden beförderten 2 Loks nur unwesentlich schwerere Erzzüge auf den Rampen, hatten aber mit 8 Achsen und nicht mit 4.
Laut dem Fahrplan aus der Idee soll die Fahrt über den Berg rund eine halbe Stunde dauern. Nun in den Dampfzeiten (1944, was besseres habe ich leider nicht gefunden) fuhr man 1,5 Stunden. Selbst unter besten Umständen wird man kaum eine Fahrzeit von einer halben Stunde schaffen. Weil wie gesagt, es ist eine ehemalige Zahnradbahn mit extremen Streckenverlauf.

3.)
Die Fahrzeuge gibt es nicht mehr. Ein 4010er befindet sich bei der ÖGEG, wobei die Meinungen über seinen Zustand geteilt sind. Der Rest wurde verschrottet oder wird gerade für HKX umgebaut.
Also woher die Fahrzeuge nehmen, wenn es sie nicht gibt?
Und selbst wenn es sie gäbe, die Anpassungen wären enorm, ganz abgesehen davon das die 4010er zu Tode geritten sind.

Ein paar kleine Punkte, die aber schon grundlegende Probleme der Idee aufzeigen.
Nicht das die Idee, einen Touristikzug zu schaffen schlecht wäre, nur sollte man eben vorher die Grundlagen prüfen und es nicht einfach rausposaunen. Grundlagen prüfen geht ganz einfach, eben mit Google.

Warum aber jetzt dieser Text, es könnte mir doch egal sein? Eben nicht. Jedes Jahr bekommen wir solche Konzepte, Ideen,… am Tisch. Meist reichen ein paar Minuten um zu erkennen das es nicht durchdacht ist und abzusagen. Aber um uns und den „Erfindern“ den Frust zu ersparen, wäre es gut wenn sie schon vorher einmal nachdenken.
Und vorallem sich eingestehen, dass es vielleicht doch einfach nur ein Traum ist.

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