Die neuen Ansagen der Wiener Linien

Die Wiener Linien haben nun neue Ansagen mit einer neuen Sprecherin gemacht, erste Ausschnitte davon sind jetzt im Netz zu finden.

Vorher noch kurz Theorie: Es gibt im Prinzip 3 Möglichkeiten für Ansagen:

  • Echter Sprecher, aber zusammengesetzte Ansage:
    Das verwenden die Wiener Linien oder die ÖBB mit der Chris Lohner. Hier spricht der Sprecher nur Fragmente ein, die dann zu Ansagen zusammengesetzt werden. Vorteil sind das ein Mensch spricht und das nicht viel Studiozeit draufgeht, also sie leicht anpassbar sind. Nachteil ist aber, wenn die Ansagenfragmente nicht gut aufeinander abgestimmt sind, sie leicht holprig klingen.
  • Computerstimme die die Texte vorliest:
    Hier „liest“ ein Computer den vorgeschrieben Text vor, die ÖBB verwenden das z. B. auf den Bahnhöfe in den BFZ-Bereichen Das ist flexibelste System, es wird kein Mensch benötigt. Aber es klingt sehr unnatürlich.
  • Ein Mensch spricht alle Texte vollständig ein:
    Das ist am aufwändigste System. Bei jeder Änderung muss der text vollkommen neu gesprochen werden, also geht viel Studiozeit drauf. Dafür klingen die Ansagen sehr natürlich, da die Sätze vollständig gesprochen werden.

So, zurück zu den Wiener Linien. Wer sich die Beispiele anhören will, der lade sich die Ansagen hier runter:

http://f59.at/Westbahnhof-U3.mp3
http://f59.at/Spalt.mp3
http://f59.at/Stoerung-U1.mp3

Mir gefallen sie nicht wirklich. Die Stimme ist ok, auch die verschiedenen Gongs (Gönge?) für die Ansagekategorien sind eine gute Idee.

Nehmen wir die Ansage für den Westbahnhof. Die Umsteigeansage ist eine wilde Aneinanderreihung der Linien. Zwischen „Umsteigen zu“ und den Linien fehlt ein Wort. Nämlich „den Linien“.

Die Ansage der Linie ist zu schnell, auch kommen mir die Pausen zwischen den Linien sehr unregelmäßig vor.

Dann folgt „S-Bahn, Regionalzüge, Fernzüge, Flughafenbus“. Das klingt sehr holprig. Da gehört ein „und“ oder irgendwas rein was verbindet.

Die englische Ansage wirkt dann sehr angehängt und unrund.

Die Ansage für die Störung ist für mich einfach zu lange und zu „verschwurbelt“. Da wären   sicher einfache Texte möglich gewesen. „Liebe Fahrgäste“ finde ich auch nicht so toll. Es ist zu vertraut, was vielen Leuten nicht gefällt. Hier wären die „Sehr geehrten Fahrgäste“ immer noch besser.

Über die Spaltansage sag ich besser nix.

Aber was denken die werten Leser über diese Ansagen?

Wir kaufen uns einen Halt eines Railjet!

Also nicht mit Geld, sondern mit Zeit.
Kufstein fordert zusätzliche Halte der Railjets. Nun gut, viele werden sich denken, die 2 Minuten machen das Kraut auch nicht fett. Wieviel Zeit geht aber bei einem Railjethalt wirklich verloren?
Nehmen wir einen fiktiven Bahnhof. Die Strecke davor und danach ist für 160 km/h geeignet. Die Bremsverzögerung bzw. Beschleunigung des Railjets nehmen wir mit 0,7 m/s² an.
Im ersten Fall lassen wir den Zug direkt runterbremsen ohne irgendwelche Geschwindigkeitsbrüche, also den Idealfall.
Zeit für das Abbremsen und Beschleunigen ist dann also: ~63 Sekunden einfach, also 126 Sekunden für beides.
Der Weg der dabei zurückgelegt wird sind: 1410 Meter einfach, also 2820 Meter, ein Zug der mit 160km/h durchfährt benötigt für diese Distanz 63 Sekunden.

Wenn man nun die Beschleunigungs-, sowie die Zeiten für das Halten (2 Minuten) mit den Zeiten des Durchfahrenden Zuges vergleicht, bemerkt man dass ohne Reserven rund 3 Minuten verloren gehen.
Diese 3 Minuten müssen wir uns jetzt verdienen.
Nehmen wir an die nächsten Haltebahnhöfe des Railjets sind 50 km entfernt. Bei dem durchfahrenden Zug mit 160 km/h beträgt dann die Fahrzeit für diese 100km 37,5 Minuten. Durch den Halt sind wir aber jetzt auf 40,5 Minuten für 100 km, es ist also so als würden wir 107,999 km fahren. Um diese fiktiven 107,999km in der alten Zeit von 37,5 Minuten zu schaffen muss die durchschnittliche Zughöchstgeschwindigkeit auf 172,7km/h gesteigert werden.
Kurz:
Selbst in diesem einfachen Beispiel muss die durchnittliche Vmax um 12,7 km/h gesteigert werden um einen Halt von 2 Minuten zu ermöglichen.

Jetzt machen wir es etwas komplizierter:
Wir lassen unseren Bahnsteig nicht im durchgehenden Hauptgleis sein, sondern in einem Nebengleis, d. h. der Zug muss in die Ablenkung. Diese ist aber nur mit 60km/h möglich. Die 60km/h sind ab dem Einfahrsignal zu fahren, das 1000 Meter vor dem Haltepunkt am Bahnsteig steht. Die Ausfahrt ist auch nur mit 60km/h möglich, wobei die letzt befahrene Weiche 500 Meter vom Haltepunkt entfernt ist.

Schauen wir uns die Einfahrt als erstes an:
Vom Vorsignal (VS) zum Einfahrsignal (ES) sind es sagen wir 1400 Meter. Wir beginnen also am VS zu bremsen um am ES 60 km/h zu fahren:
Der Bremsweg sind ~1200 Meter, die Bremszeit 39 Sekunden. Für die restlichen 200 Meter benötigen wir mit 60km/h etwa 12 Sekunden. Also haben wir nun schon 51 Sekunden verloren, sind aber noch 1000 Meter vom Bahnsteig entfernt. Zum Vergleich, vorher waren wir da schon fast am Bahnsteig.
Für das Abbremsen aus 60km/h auf Null brauchen 198 Meter und 23 Sekunden. Vorher legen wir ab die 800 Meter noch mit 60km/h zurück, das sind 48 Sekunden.
Zusammengerechnet brauchen also vom Vorsignal bis zum Stillstand: 39+12+23+48= 122 Sekunden.

Nach dem Halt fahren wir an, bis der letzte Wagen die letzte Weiche verlassen hat dürfen wir nur 60km/h fahren, danach beschleunigen.
Beschleunigungszeit und -weg auf 60km/h nehmen wir von oben, also 23 Sekunden und 198 Meter.
Der Railjet ist als Doppelgarnitur 410 Meter lang. Wir müssen also noch 302 Meter bis zur Weiche plus 410 Meter Zuglänge mit 60m/h fahren, also 42 Sekunden lang. Dann können wir wieder auf 160 km/h beschleunigen, was wiederum 39 Sekunden dauert und 1200 Meter benötigt.
Also zum Beschleunigen brauchen 23+42+39=104 Sekunden
Der gesamte Halt dauert also in diesem Fall 122+120+104= 346 Sekunden oder 5,7 Minuten.

Wie lange braucht der durchfahrende Zug jetzt aber dafür?
Vom Beginn der Bremsung bis zum Ende der Beschleunigung sind es 4510 Meter, der Zug benötigt dafür 101 Sekunden oder 1,7 Minuten.
Wir verlieren durch diesen Halt also 4 Minuten.
Wie schnell muss jetzt der haltende Zug fahren um diesen Halt zu kompensieren, wir nehmen dazu wieder die Werte von oben. Ausgerechnet ergibt das eine durchnittliche Vmax von 177km/h um diesen Halt zu kompensieren.

Jeder der Auto fährt kann ja mal probieren wie schwer es ist auf 100 km die durchschnittliche Geschwindigkeit so stark zu steigern. Das geht fast nicht. Und jetzt versteht auf vielleicht so mancher, warum man nicht überall so einfach stehenbleiben kann.

Liebe Eisenbahnfreunde (Verhaltenshinweise für euch)

Ihr wollt von uns Eisenbahnern ernst genommen werden? Dann bedenkt folgendes:

  • Seid höflich!
  • Viele Eisenbahner sehen in der Eisenbahn ihren Beruf, nicht wie ihr ihre Berufung. Also akzeptiert, dass ein Eisenbahner vielleicht nicht weiß wie alt die Lok ist, wer die Bahn gebaut hat oder wieviele Schwellennägel verbaut wurden.
  • Seid höflich!
  • Wenn ein Eisenbahner etwas speziell für euch tut, freut er sich sehr über ein „Danke“ oder eine kleine Annerkennung
  • Seid höflich!
  • Diensträume, Werkstätten, Führertände,… sind für euch als erstes Tabu. Wenn er ihr euch etwas anschauen wollt, fragt vorher höflich ob ihr reinkommen dürft. Stürmt nicht rein und verhaltet euch wie Kaiser, das seid ihr nicht.
  • Seid höflich!
  • Behauptet keine Unwahrheiten und vorallem fallt den Eisenbahnern nicht in den Rücken.
  • Seid höflich!
  • Wenn der Eisenbahner sagt es geht nicht, dann geht es nicht. Akzeptiert das und tut nicht langwierig diskutieren.
  • Seid höflich!
  • Lauft nicht im Gleisbereich herum. Das ist gefährlich und eine Warnweste ist keine Erlaubniskarte.
  • Seid höflich!
  • Folgt den Anweisungen der Eisenbahner
  • Seid höflich!
  • Eisenbahner sind Mensch. Akzeptiert das sie schlechte Tage haben, in der Pause ihre Ruhe haben wollen oder einfach mal am Klo sitzen.
  • Seid höflich!
  • Wenn jemand etwas für euch außerhalb der Tour tut, freut euch und haltet die Klappe darüber, sonst war es das letzte Mal.
  • Seid höflich!
  • Wenn ihr fotografiert, respektiert Menschen und Umwelt. Schneidet keine Bäume um, nehmt euren Müll mit, geht nicht unerlaubt auf Grundstücke und fahrt wie normale Menschen auf der Straße.
  • Seid höflich!
  • Nur weil ihr auf eurer Modellbahn, Trainsimulator oder sonst was toll herumfahren könnt, macht euch das nicht zu Experten. Erspart euch altkluge Kommentare. Eisenbahner erlernen ihren Beruf über lange Zeit, dass kann man nicht durch ein paar Stunden am Computer lernen.
  • Seid höflich!
  • Lasst die Finger von Schaltern, Hebeln oder sonst was.
  • Und zum letzten Mal: Seid höflich! Lernt „Bitte“ und „Danke“ zu sagen. Eisenbahner sind nicht eure Leibsklaven, die sofort springen wenn ihr das wollt. Wollt ihr Sklaven dann geht in die einschlägigen Lokale. Droht nicht damit das ihr wen Wichtigen kennt. „Nein“ heißt „Nein“, ihr seid nicht mehr sieben, ihr wisst das. Schreit und brüllt uns nicht an.

Beherzigt das und wir werden alle Freunde.

Vortrag!

Gebt mir bitte noch ein paar Tage. In 2 Wochen habe ich Fahrdienstleiterprüfung, bis dahin steht hier noch alles.

Aber inzwischen hört euch einfach einen Vortrag an:

„Ich kann fahren!“

Vor einiger Zeiit wurde ich über Twitter gefragt, warum wir denn unsere historischen Fahrzeuge für Hobbyfahrer einsetzen und ob ihnen das nicht schadet. Ich erwiderte, dass sei kein Problem.

Ich hab mich geirrt.
Ich durfte ein paar Herrschaften eines Vereines mehrer Stunden lang begleiten. Alle haben Fahrpraxis wurde bestätigt, was mir entgegen kam und ich mich auf einen ruhigen Dienst freute. Daneben stehen, die Aussicht und Sonne genießen und mal so in den Gärten schauen wer aller den Pool in Betrieb hat oder einen Grilltag einlegt.
Leider fuhren die Herrschaften ohne Gefühl.
Die Fahrzeughöchstgeschwindigkeit wurde immer wieder überschritten, auch in engsten Bögen.
Haltestellen wurden scharf angebremst und oft auch mittels Rettungsanker angebremst.
In Steigungen wurde mit vollen Karacho eingefahren, Leistung abgeschaltet und dann kurz vorm Stehenbleiben wieder aufgeschaltet.
Es wurde immer in die höchsten Schaltstufe geschalten, auch wenn es nicht notwendig war.
usw. usw.

Im Endeffekt kann ich nur sagen:
Hobbyfahrer und routinierte Triebfahrzeugführer sind nicht das schlimmste für die alten Fahrzeuge. Das schlimmste sind Hobbyfahrer mit „Erfahrung“ und zu viel Selbstvertrauen.

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Der Touristikzug, gescheitert schon an der Idee?

Ideen gibt es viele, Visionen noch mehr. Aber wie sagte schon ein Bundeskanzler so schön:

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.

Nun ist nicht jede Idee von Anfang schlecht. Aber die Person, die diese Idee hat sollte vorher einen Realitätscheck machen, bevor man an die Öffentlichkeit geht. Dann erspart man sich viel Frust. Sehr viel Frust.

Im Inntramforum ist die Idee eines Touristikzuges vorgestellt worden.
Im Prinzip soll eine Art Österreichischer Glacier Express von Wien über Eisenstadt, Semmering, Mürzzuschlag, Leoben, Erzberg, Selzthal, Salzkammergut nach Salzburg verkehren. Fahrzeit rund 10 Stunden, Wagenmaterial sind modernisierte 4010.

So jeder darf jetzt aufgrund dieser Zusammenfassung raten, warum ich das ganze von der Idee her für gescheitert erkläre. Nach dem Klick gehts weiter

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